Perfekt sein – oder doch nicht?

Heute wird’s ein bisschen persönlich. Ich hab mich nämlich ertappt. Ich bin mal wieder in die „Perfekt-Sein-Wollen“-Falle getappt. Ich kenn das schon von mir, ich will immer 100 % geben. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst und eigentlich finde ich das auch gar nicht so schlimm. Das ist ein Teil von mir und ich bin gerne gründlich und ordentlich (was man nicht immer unbedingt an meiner Wohnung sieht, aber das ist ein anderes Thema 😉 ). Leider passiert dann aber immer wieder, dass mich mein „ich will das aber richtig und ordentlich und toll und einfach perfekt machen“ bremst. Und dann stelle ich fest, dass ich Dinge die ich eigentlich gerne machen möchte nicht umsetze, weil ich es einfach (noch) nicht perfekt hinbekomme.

Heute morgen hatte ich wieder so einen Aha-Moment. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen in der Fastenzeit die #40tagemitmehrgemüse-Aktion auf meiner Facebookseite umzusetzen. Ein Thema, das ich wirklich wichtig finde, denn die meisten von uns essen einfach viel zu wenig Gemüse. Ich selbst habe es mit kleinen Tricks geschafft viel mehr Gurken, Tomaten & Co zu essen. Meine Tipps wollte ich also in den Tagen bis Ostern auf meiner Facebookseite weitergeben. Die ersten Tage lief das auch ganz gut. Aaaaaber, dann flüsterte mir bei jeder neuen Idee das kleine Perfekt-Teufelchen in mein Ohr „Da hast du aber kein tolles Foto dazu, die Bilder die du bislang gepostet hast sind ja auch eher so semi schick….“ Und zack, schnappte die Perfekt-Falle zu. Anstatt zu sagen, egal, dann ist das Foto eben nicht mega schön, aber der Tipp ist gut, hab ich nichts gepostet.

Heute morgen ist mir das bewusst geworden. Ich guckte mir das Foto an, das ich gestern von meinem Mittagessen gemacht habe und schon kam das kleine Perfekt-Teufelchen und flüsterte: Nee Maren, das ist echt nicht schön genug. Irgendwie war ich heute morgen aber genervt von dem kleinen Kerl. Als ersten Schritt postete ich das unperfekte Foto, um das Teufelchen ein bisschen zu ärgern. Und schreibe jetzt diesen Text.

Ich hab überlegt, ob ich das überhaupt schreiben soll. Natürlich diskutierten das Teufelchen und ich kurz darüber. Ist das nicht zu persönlich? Interessiert das überhaupt jemanden? Es gibt doch schon 120.000 Artikel über das Thema „Perfekt-Sein“ und was hat das alles mit Ernährung zu tun? Und so weiter…

Ok, wie du siehst, hab ich mich durchgesetzt. Klar hab ich schon selbst verschiedenste Artikel über das Thema gelesen, aber anscheinend nicht genug, verinnerlicht habe ich es schließlich noch nicht. Vielleicht geht es dir genauso und dieser 120.001. Artikel zeigt dir, hey es geht anderen genauso wie mir (was oft irgendwie erleichternd wirkt, oder nicht?). Wir lernen ja auch durch Wiederholungen, je öfter wir etwas lesen/hören/sehen, desto leichter prägen wir uns es ein. Übrigens funktioniert das auch mit unserem Geschmack auf diese Weise. Je öfter wir ein Lebensmittel probieren, desto eher mögen wir es irgendwann, weil wir uns an den Geschmack gewöhnen. Klar gibt es Ausnahmen, die gibt es ja immer.

Über diesen eleganten Schlenker sind wir jetzt auch schon bei dem Thema Ernährung angelangt. Da ist es nämlich auch nicht immer so einfach, alles perfekt zu machen, sich jeden Tag, bei jeder Mahlzeit gesund zu ernähren. Ganz ehrlich, das ist auch gar nicht so wichtig! Fang mit kleinen Schritten an, eine gesunde Mahlzeit am Tag ist besser als gar keine. Manchmal klappt es auch einfach gar nicht. Dann eben am nächsten Tag. Die Perfekt-Falle kann ganz schön lähmen und dann verändert man gar nichts, anstatt einer Kleinigkeit, die aber schon ein richtig toller Schritt in Richtung gesunde Ernährung ist. Einfach machen! Oft ist es so einfach.

Der Tipp zu dem Facebook-Post, von dem ich zu Beginn geschrieben habe, lautet: Leg dir Gemüse auf dein Brot. Klingt banal? Ist es auch. Aber die Ernährungsprotokolle, die ich von meinen Klienten auswerte, zeigen, dass es viele nicht machen, vielleicht auch einfach nicht dran denken, weil es (noch) keine Gewohnheit ist, die Gurke oder Tomate aufzuschneiden und zur Brotzeit auf den Tisch zu stellen. Also erinnere ich jetzt daran.

Entwickle eine Routine, dass du automatisch wenn du Brot schneidest, anschließend noch etwas Gemüse schnippelst. Und schon hast du eine Portion mehr gegessen.

Es sind die kleinen Dinge die zählen! Der Satz ist auch nicht neu, aber er ist wichtig und wahr. 

Hab einen wunderschönen Tag, deine Maren

P.S. Für das Foto zum Blogpost habe ich mich übrigens entschieden, weil Regen ein tolles Beispiel ist, dass es manchmal auch Ansichtssache ist, ob etwas perfekt ist. In der Regel mögen wir es lieber, wenn die Sonne scheint, manchmal ist so ein Regentag aber auch einfach perfekt, zum Beispiel, um uns einen gemütlichen Tag auf der Couch zu machen. Auch zum Einschlafen, wenn die Tropfen auf das Fenster prasseln, finde ich Regen perfekt.